Diese Gedichte sind wie Gemälde: Man liest und schaut und hört und staunt – und findet sich plötzlich mittendrin in einem Augenblick, beginnt Stimmungen aufzunehmen, hört und schaut nicht nur, sondern scheint fast zu schmecken, zu riechen und zu fühlen.So wie ein expressionistischer Maler seinen Pinsel benutzt, um Emotionalität und Atmosphäre jenseits des bloßen Abbildens zu erzeugen, gestaltet Bozena Frei ihre Bilder durch Sprache: Wortschöpfungen, Lautmalereien, Bilder und Satzfragmente bilden ein Klanggemälde, das den Leser auf eine assoziative Reise mitnimmt. Ein Abend am See, ein nächtlicher Winterspaziergang, Menschen im Café, ein gemeinsamer Morgen oder Bilder einer Ausstellung werden so zu sinnlichen Begegnungen oder beschwören ebensolche Erinnerungen.Dabei gibt die Autorin dem Leser genügend Freiraum, um eigene Phantasie und Emotionalität spielen zu lassen, fordert ihn geradezu dazu auf, wie mit dem Bild des Kaleidoskops ('phantasien'), das mit kleinen bunten Teilen immer wieder aufs Neue einen anderen Blick auf die Welt zulässt: '… dreh mich / dreh'.